Meine Arbeit als Therapeut 

Therapeuten brauchen gemeinsame Werte, auf die sie in Zeiten der Veränderung bauen können! Zurzeit sind wir nicht nur in Schulen gespalten; auch die verschiedenen Inhalte und Populationen, mit denen wir arbeiten, trennen uns. Ein verhältnismäßig neues Phänomen ist die außerordentliche Viel-falt an Problemen, bei denen gegenwärtig Therapie zum Einsatz kommt! Es gibt sie nicht, die Therapietheorie oder das Methodenpaket, was sich auf das ganze Spektrum der Probleme anwenden ließe, mit dem man in der Therapie konfrontiert wird. In einer vielschichtigen und sich ständig verän-dernden Gesellschaft entstehen dauernd neue Probleme, alten Problemen wird neue Priorität eingeräumt und Therapeuten arbeiten unter sich ständig ändernden Bedingungen. Neue Theorien und Methoden müssen diese Veränderungen begleiten. Eine Reihe von Zielen, die wir auf jede Therapie an-wenden könnten, würde unsere Integrität stärken und uns durch diese Zeiten hindurchhelfen! Das Explizieren von Werten könnte allgemein zu mehr Menschlichkeit führen!

Im eigenen Leben wie auch in der Therapie können wir eine Situation nicht verstehen oder auch nur darüber nachdenken, ohne unsere Einbildungs-kraft zu nutzen; mit ihrer Hilfe sortieren und interpretieren wir das Chaos der Ereignisse! Aber dies ist nur ein Teil des Ganzen! Als Therapeut und als Mensch verfügen wir über die wunderbare Fähigkeit, das Grausame und Gemeine zu transzendieren. Tatsächlich kommt es in der Therapie durch Akte der Hingabe, Inspiration und Güte zu erstaunlichen Augenblicken. Würden wir uns selbst als Therapeut und unsere Klienten als Menschen nicht ideali-sieren, wären wir nie fähig, so über uns selbst hinauszuwachsen, wie es nötig ist!

Das vorherrschende Gefühl bei Familienmitgliedern, die sich auf dieser Stufe befinden, ist Verzweiflung. Der Wunsch, andere zu lieben und zu be-schützen, ist die edelste menschliche Regung, aber die Saat der Gewalt ist auch in dieser Sehnsucht enthalten! So muß der Therapeut die Art uns Weise ändern, wie die Familienmitglieder einander beschützen und lieben und wer sich um wen kümmert, indem er den Wunsch erweckt, die Gewalt zu bereuen, die Menschen einander im Namen der Liebe zugefügt haben! Typische Probleme sind Selbstmorddrohungen und – versuche, Misshandlung und Vernachlässigung, Schuld, Zwangsvorstellungen, Wutausbrüche und die Verwirrung der Gedanken!

Dafür stehen folgende Strategien zur Wahl:

Ø  Man kann die Familienmitglieder wiedervereinen, indem man ihren Blick auf die Zukunft fokussiert und Akte der Wiedergutmachung vereinbart!

Ø  Man kann ändern, wer wem hilfreich zur Seite steht;

Ø  Oder die Kinder in die Lage versetzen, ihren Eltern in angemessener Weise zu helfen!

In der vierten Dimension besteht das Hauptproblem der Familienmitglieder darin, zu bereuen und zu vergeben! Wenn Menschen sich gegenseitig Traumen zugefügt und Ungerechtigkeiten und Gewalt erlitten haben, sind die Interaktionen durch Leid, Groll, Lügen, Heimlichkeit, Betrug, Herabwür-digung der eigenen Person, Isolation und Dissoziation gekennzeichnet! Das vorherrschende Gefühl ist Scham: 

Ø  Für das, was man getan hat, für das, was man zu tun unterlassen hat

Ø  Oder weil man nicht vergeben kann!

Wenn die Familienmitglieder weiterhin miteinander verbunden bleiben sollen, muß der Therapeut die Scham neu verteilen! Oft wird den Opfern die Schuld zugeschoben und das muß sich ändern! Indem der Therapeut klärt, wer wem was angetan hat, muß sich der Wunsch, der Verantwortung und Schuld zu entgehen, in das Verlangen verwandeln, Mitgefühl zu entwickeln und ein Zusammengehörigkeitsgefühl aufzubauen. Typische Probleme sind Inzest, sexueller Mißbrauch, versuchter Mord und sadistische Handlungen. In derartigen Fällen stehen folgende Strategien zur Wahl:

Ø  Man kann eine Atmosphäre höherer Gefühle schaffen!

Ø  Beschützer für die Opfer finden;

Ø  oder Gefühle der Reue, der Vergebung, des Mitgefühls und der Zusammengehörigkeit auslösen!

 

Nicht jeder Therapeut muß dieser Auffassung über die Probleme, die sich der Therapie stellen, zustimmen! Aber wir sollten mehr nach Verbindenden suchen, als Unterschiede zu betonen!

 

 

Walther Zantz

Systemischer

Familientherapeut & Beratung und Coaching

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